Ferien – und die Schule ist voll

Es ist Karsamstag und trotzdem sind alle Schüler, Lehrer sowie viele weitere Menschen da. Die   Begrüßung ist umwerfend.
Vor eineinhalb Jahren hat der Verein Fi Basar hier mit dem Bau eines Brunnen begonnen und nun versorgt er die Schule mit Trinkwasser. Deswegen wird die Delegation aus Deutschland von allen freudig empfangen, auch der Präfekt der Region ist da. Diesmal werden Malsachen an den Kindergarten, Stifte, Hefte und andere Materialien nach Willkommensreden in den Klassen an die Schüler verteilt. So erhalten direkt die Kinder etwas, aber vor Ort merkt man, was alles soweit weg von dem ist,  was bei uns selbstverständlich ist.

Im Kindergarten

Im Kindergarten wird auch schon Disziplin geübt

Der Brunnen, den Fi Basar ermöglicht hat

Der Brunnen, den Fi Bassar ermöglicht hat

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Schulhefte können begeistern

Beim König

L’etat – c’est moi. Die Zeiten vom Sonnenkönig Ludwig dem XIV. sind vorbei, aber in Togo gibt es noch Könige, wo auch Regierungsbeamte ehrfürchtig zu den Füssen des Königs niederknien und beste Wünsche  übermitteln. Einer dieser Könige gewährt uns eine Audienz, natürlich verbunden mit der obligatorischen Ehrerbietung, und lässt sich von den Vorhaben und Arbeiten des Vereins berichten. Es kommt auch das Müllproblem zur Sprache und wie z. B. der Nachbar Ghana damit umgeht.

Der König lässt noch einen Whiskey ausschenken, da mag keiner nein sagen, auch nicht bei den tropischen Temperaturen. Berauscht vom Alkohol und der Atmosphäre fahren wir nochmal zum Krankenhaus,  um den  Fortschritten beim Anschluss und der Einweisung der Waschmaschine beizuwohnen. Der stellvertretende Gesundheitsminister war auch schon gucken, aber da waren wir noch beim König.

Das Krankenhaus von Bassar

Über 125.000 Menschen sind in Notfällen auf dieses Krankenhaus angewiesen. Unsere westlichen Vorstellungen sind nicht mit den hiesigen Verhältnissen in Einklang zu bringen, doch hier wird nach bestem Wissen und mit viel Engagement Großes geleistet.

Die medizinischen Abfälle werden in einer unzureichenden kleinen Verbrennungsanlage auf dem Klinikgelände verbrannt, es sieht für Laien wie ein Pizzaofen aus dem eigenen Garten mit Schornstein aus. Die Ingenieure messen die Verbrennungstemperaturen und erfassen die Situation für die Vorbereitungen eines neuen Ofens. Viel Müll wird auch einfach, wie überall in Togo üblich direkt als kleiner Müllhaufen verbrannt. Der fiese Gestank von schlecht verbranntem Plastik liegt wieder in der Luft.

Die Reinigungskräfte, wo viele ehrenamtlich arbeiten, erhalten T-Shirts und es sollen Handschuhe und Schuhe für den nächsten Besuch organisiert werden.  Sie führen einen Tanz auf,wo Annette und Rali versuchen mitzumachen.

Die Waschmaschine für 17 kg Wäsche wird unter Dankesreden vom Krankenhausdirektor und anderen wichtigen Personen ausgepackt. Diese hat der Verein in Lomé gekauft. Sie kommt in ein kleines etwa 4m² großes Waschhaus. Die gesamte Wäsche des Krankenhauses hat zuvor ein Wäscher mit der Hand in diesem Raum gewaschen und dann draußen auf die Leinen zum Trocknengehängt. Kittel,Laken und selbst Tamponage wusch er täglich im großen Waschbecken.

Heute ist auch Impftag für Säuglinge, weswegen wir auf der Kinderstation viele Babysachen direkt an die Mütter verteilen können.

Das sind alles sehr intensive Erfahrungen.

Ab in den Norden

Morgens um fünf Uhr werden wir abgeholt, um nach Bassar in den Norden zu fahren. Die Nacht war hart, ein Unwetter hat getobt, die Hitze ist aber nicht gewichen und Sören hat hohes Fieber und Magen-Darm-Probleme bekommen. Mit kalten Umschlägen und Medikamenten wird er annähernd reisestabilisiert, Rali und Pauline , beide Krankenschwestern, begutachten ihn und fahren auch nach Bassar. Die Reise dauert den ganzen Tag, die Straßen sind in den letzten Jahren gut ausgebaut worden, teilweise wird noch massiv gebaut und mancherorts geht es über rote Schotterpisten. Wir fahren an vielen großen Termitenhügeln vorbei.

Die Straße bei Pauline

Die Straße bei Pauline

Die Straße bei Pauline nach dem Regen

Die Straße bei Pauline nach dem Regen

InBassar besuchen wir zuerst den Präfekten, der über die Vereinsarbeit informiert wird und auch an dem Besuch der Schule und dem Krankenhaus teilnehmen und jeweils eine Rede halten wird. Diese Reden werden hier in Französisch, Ewe oder Bassar gehalten.

Einem Herrenhaus gleich ist unsere Unterkunft, die gerade noch in Teilen restauriert wird. Es ist schön, eine Klimaanlage zu haben, so kann Sören bei kühlen 25°C. besser genesen und eine erholsame Nachtruhe wird möglich. Das Gebäude umgibt ein großes Atrium, un das ein Säulengang führt, von dem die Räume abgehen. Diese offene Bauweise ist bei unserem kalten Schmuddelwetter leider undenkbar.

Durch den Garten laufen Hühner mit Küken und es krächzen Perlhühner, die wie ungeölte rostige Scharniere klingen. Der Hahn wird uns die nächsten Tage frühzeitig wecken.

Voodoo

Unsere Unterkunft ist bei Pauline, doch zum Frühstücken begeben wir uns in wenigen Minuten zu Fuß zur Maman. Mit dem Auto ist es aber aufgrund der stark erodierten Sandwege je nach Fahrer ein anderer Weg. Unterwegs kommen wir an einer Wasserstelle vorbei, wo die Menschen mit großen Schüsseln anstehen. Hühner laufen überall herum, Kinder spielen auf den Wegen, kleine Verkaufsstände sind aufgebaut, es gibt z. B. kleine Mengen Holzkohle oder Dung-Kugeln zum Feuerbereiten zu kaufen.  Müll wird dort verbrannt, wo er anfällt.

Mit lecker Mangobaum in XL

Nach dem klassichen Omlett mit Tomatenzwiebelsalat und fritierten Bananen zum Frühstück mit Jürgen und Ute begeben wir uns zu Ralis Onkel,dem Hafenmeister. Dort waren wir bereits am Tag zuvor. Er wohnt mit Familie und Angestellten in einem sehr großen Anwesen, wo ständig Menschen ein und ausgehen. Im Wohnzimmer läuft ständig der goße Flatscreen, so erfahren auch wir von den Anschlägen in Brüssel. Im Garten stehen heute zwei Ziegen, die erste wird vom Hafenmeister geschlachtet und das Blut sickert in seinen Garten. Das Fleisch wird an Bedürftige in einer Moschee verteilt.

Wir Deutschen möchten auf den Voodoo-Markt, den größten in Afrika. Rali begleitt uns netterweise, obwohl sie davor großen Repekt hat. Tatsächlich zahlen Ausländer Eintritt, aber ein Führer zeigt uns alles und erklärt wofür Dinge genutzt werden.Zudem gehen wir in zwei Gruppen zu jeweils einem alternativen Mediziner, nein kein Heilpraktiker, sondern ein Voodoo-Doktor.In einer lehmigen Abseite drängen wiruns wie Hühner auf einen kleine BAnk, lassen uns Sachen erklären und Annette erwirbt einige Fetische für einen schwer kranken Freund, die speziell gesegnet werden. Danach überreicht er uns seine Visitenkarte und wir stoßen wieder in die reale Welt, wo es mittlerweile dunkel geworden ist.

Deutsche Botschaft

Nach einer kurzen ersten Nacht haben wir mit Vertretern des Vereins Fi Bassar aus Deutschland und Togo und zwei Ingenieuren von Technikern ohne Grenzen einen Termin mit dem deutschen Botschafter. Aufgrund der Hitze wird das Protokoll vereinfacht und es besteht keine Jackett-Pflicht, da die Klimaanlage der Botschaft überfordert ist. Der Verein stellt seine geplanten Unterstützungsleistungen in Bassar vor, wie der Bau einer Verbrennungsanlage für das dortige  Krankenhaus und die Unterstützung von Schule sowie Berufsschule.

Anflug Togo

Über den Hamburger Flughafen verlassen wir als kleine Reisegruppe, Sören, Jürgen, Ute und ich, das kühle Deutschland. Durch die vielen gesammelten Spenden für den Verein Fi Bassar haben wir acht große Koffer dabei.

Abflug 10:55 Uhr oder auch Hamburg: Niesel, perfekter Halt.
Paris: Wind, perfekter Halt.
Nach einem Spurt durch den Flughafen Charles de Gaulles, fallen wir leider auch dem Streik zum Opfer. Der perfekte Halt ist in Gefahr, ständig wird der Abflug verschoben. Irgendwann verteilt Air France Essensgutscheine über 8 Euro und nahezu magisch sind diese Voucher verflogen, denn  Pariser Chic  bringt Flugsnacks mit Gucci-Preisen, aber der Flair …

Lomé: die Sonne brennt, …
Nein, die Sonne brennt nicht, denn es ist schon fast Nacht als wir landen, aber es fühlt sich trotzdem so heiß an und kein Halt.

Noch vor Betreten des Flughafens bekommt man Händedesinfektionsmittel und als Erstes im Gebäude erhält jeder einen Zettel, wo Gesundheitsdaten einzutragen sind und ein weiterer Mensch im weißen Kittel darauf deine Temperatur einträgt, die er gemessen hat. Ebola ist auch weiterhin in Westafrika ein wichtiges Thema.

Nach Kontrolle der Gelbfiberimpfung stehen wir sehr lange für die Passkontrolle an und müssen dann feststellen, dass das Einreise Formular zwingend eine örtliche Telefonnummer benötigt, aber unser Fahrer hat uns schon gesehen und Ute darf ihn vor der offiziellen Einreise in den hinteren Bereich holen, damit er dies erledigt.

Nachts essen wir bei der Maman noch ein verspätetes nächtliches Mahl, bevor wir zu Bett gehen.

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Rali vertritt den Verein Fi Bassar und ist bereits Ein paar Tage vor uns angereist. Togolesisches Essen ist scharf und häufig wird Yams gereicht.

Fi Bassar

„Fi Bassar“ bedeutet Rettet Bassar und ist ein deutscher Verein, der sich für eine strukturschwache Region in Togo engagiert. Infos zu dem Verein und vergangene Hilfsaktionen findet ihr unter www.fibassar.de. Dieses Jahr soll das Krankenhaus mit einer Müllverbrennungsanlage und einer Waschmaschine unterstützt werden. Air France erlaubt 2*23 kg Gepäck und 12 kg Handgepäck. Somit war der Transport der zuvor eingesammelten Spenden problemlos.

Vielen Dank an dieser Stelle an all die engagierten Spenderinnen und Spender.

Danang außer Rand und Band

Viel Kultur in tropischer Umgebung ist schön. Schön sind in tropischer Umgebung auch Strand und Meer, also ging’s nach Danang, wo wir schon mal kurz in die dynamische Brandung gehüpft sind. Ablauf: an den Strand nach dem Frühstück,  wo fast kein anderer war, mittags ein Abkühlungspäuschen im Hotelzimmer oder in der Badewanne mit Meerblick und später wieder an den Strand.

Hier in Danang sind gerade wenige Ausländer,  aber viele vietnamesische Gäste. Das macht das Frühstück interessanter, Pancake oder Omlette können da lecker durch Knoblauch-Häppchen und gefüllte Bananenblätter, die auch nach dem Öffnen noch immer geheimnisvoll sind, ergänzt werden. Jeder  Biss eine neue Geschmackswelt, wer will da schon Nutella und Erdbeermarmelade?

Vietnamesen wollen weiße Haut, weswegen sich ab dem  späten Nachmittag der Strand in eine Party-Location wandelt. Gäste wie Stadtbewohner schmeißen sich in die Wellen, über die Hälfte  in der normalen Kleidung. Bademeister versuchen den wild planschenden Mob mit Trillerpfeifen, in kleinen runden Bambusbooten stehend, zu bändigen.

DSC03356Wild ist hier auch die sechs-spurige 666m lange Drachen-Brücke, die am Samstagsabend sogar Feuer spuckt.

Die Sonne brennt – My Son

DSC03275My Son ist eine alte Tempel-Stadt der Cham-Kultur. Sie entstandt zwischen dem  4. und 13. Jahrhundert und gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.  Eine fazinierende Anlage mit hinduistischen Einflüssen, die bei 38° C ein berauschendes Erlebnis ist. Die Sonne brennt aufs Hirn und die ersten Synapsen fangen an sich aufzublähen, zu  blubbern und zu feuern. Dabei haben wir laut Reiseführer Glück, am Tag vorher war es noch heißer – da wären wir aber im Delirium noch tiefer in die alte Cham-Kultur eingetaucht.