Essgewohnheiten

Wie in Panama sind Fruit Loops auch in Argentinien sehr beliebt, gerne ebenfalls in heißer Milch dem schnellen Tod des Zerfließens überlassen.
WAS IST DAS? Sörens Schälchen lässt aus der Ferne eine bunte Kuppel erkennen. Will er konvertieren, ein wahrer Fruit Loops-Jünger werden? Wird er demnächst mit einem bunten Pendant des Wachturms in Innenstädten stehen? Das Cover wie eine Mischung aus Munchs Schrei und Dalis Zerrinnende Zeit? Uahh, der Gedanke daran zerrt mich in eine Welt, die der rechten Höllen-Seite von Boschs Triptychons entspricht. Aber als Sören zum Tisch kommt, entwinde ich mich dem Vogelmenschen auf seinem Stuhl, der mich verschlingen wollte, bin zurück und erkenne, dass es keine Fruit Loops sind, sondern einfach Äffchensalat.

An dieser Stelle hat mir mein mitreisender Lektor dringend empfohlen, dass ich bitte Äffchensalat zu erklären habe, da dies nicht so geläufig sei und die wenigsten ein Deutsch-Anika/Anika-Deutsch zur Hand hätten. Also gern.

Fußnote: Äff|chen|sa|lat der: -[e]s, -e: gemischter frischer Obstsalat, zumeist in kleine appetitliche Würfelchen geschnitten. Wird häufig verschiedenen Tierarten in Zoos als Nahrung dargeboten, wie z. B. Totenkopfäffchen.

Argentinien bietet eine opulente Auswahl an Speisen: saftige Steaks, verführerische Empanadas (gefüllte Teigtaschen, die zumeist aus einem umgeschlagenem Kreis geformt werden und mit vielen verschiedenen  Füllungen daherkommen), leckerste Eiscreme, unendlich viele süße Teilchen und natürlich Dulche de Leche. Dulche de Leche ist die perfekte Symbiose aus rahmiger Milch und Zucker. Diese Karamell-Creme wird in vielen Sorten feilgeboten und füllt Regale in Supermärkten. Apropos Supermarkt, bereits die kleinen haben in Buenos Aires eine Wand oder gar Abteilung mit Wein, also etwa ein Viertel des Marktes.  Mit Alkohol wird hier nicht gegeizt, das Bier wird in 1L-Flaschen angeboten  und serviert, dazu erhält man eisgekühlte Gläser.

Buenos Aires gibt sich schick, mit Grünanlagen, Denkmälern und alten architektonischen Schönheiten. Weltberühmte Theater mit  angeblich mehr Sälen als New York oder gar Paris. Diese Grandezza weiß zu überzeugen. Doch auch in Buenos Aires, inkl. Umland sind hier über 12 Mio. Menschen sessil, existieren an den Stadtränder Slums, wo bei Regen die schlammigen Wege nicht mehr passierbar sind. In den Parks wohnen Familien in kleinen Verschlägen. Wer nicht zu den Ärmsten zählt, bekommt oft Fleisch auf den Tisch, der Uruguayer sogar täglich. Auch Panama scheint dem nicht abgeneigt, wie die Werbung einer bekannten Burger-Braterei verrät. Weg mit dem grünen Chichi, eine klare einfache Struktur mit vier Patties ist angesagt. Das ebenfalls groß plakativ beworbene Pendant der Konkurrenz heißt El Doble Big Mac.

Grenzerfahrung

Buenos Aires, Av. 9 de Julio, breiteste Straße der Welt mit 2 x 11 Spuren. 6 Ampeln mit Zebrastreifen führen auf die andere Seite

Inzwischen sind wir in Buenos Aires, Argentinien und haben einige Grenzübergänge hinter uns. Von vielen Ländern wird das Ausfüllen von Einreisedokumenten gefordert, teilweise mit extra Ausreiseteil, den man bei der Ausreise abzugeben hat. Den darf man nicht verlieren, sonst kann dieser nur an bestimmen wenigen Orten erneut ausgestellt werden. Wenigstens waren diese Dokumente bis jetzt immer auf Spanisch und Englisch. Beim Wohnort tragen wir unsere ehemalige Adresse ein und unsere Passnummern kann ich mittlerweile auswendig.

Unsere Pässe sind unsere liebgewonnen Panini-Sammelalben, wir sammeln die Stempel wie WM-Sticker. Aber was ist das? Mexiko stempelt so schön zweifarbig in grün und rot, aber der Grenzbeamte scheint erschöpft oder die Tinte, nur bei genauer Betrachtung ist der Stempel zu erkennen und ein Mexiko zu lesen. Das ist wie ein schief eingeklebter Manuel Neuer mit Falte!

Teilweise werden Ein- bzw. Ausreisegebühren fällig. Auch in Belize haben wir extra den entsprechenden Betrag eingeplant, aber plötzlich  stehen wir am Gate, sind also schon ausgereist, abgestempelt und durch die Kontrollen und keiner hat die Gebühr eingefordert. Was machen wir nun mit den ganzen Belize-Dollar? Ein Tauschmöglichkeit war nur im vorderen Teil des Flughafen.  Inkognito darf ich aber kurz zum Wechseln wieder ins Land, der Kontrolleur am Sicherheitscheck, der Grenzbeamte und die Dame zum Checken der Ausreisepapiere lassen mich wieder rein nach Belize und fünf Minuten später an den Schlangen vorbei einfach wieder raus, ohne meinen Pass oder irgendwas zu kontrollieren. Manche in der Warteschlange sehen mich etwas erstaunt an. Vielleicht hätte ich eine königliche Handbewegung zum Gruße machen sollen?

In Panama gestaltet sich die Ausreise am Flughafen nach Argentinien nicht so einfach. Naja, eigentlich war es mal wieder Zeit, dass ich nicht durch die Sicherheitskontrolle komme. In Deutschland kann ich unbehelligt alles transportieren, woanders muss ich mal was Abgeben oder eine elektrische Zahnbürste erklären und in Dubai musste ich einmal eine Nagelschere abgeben und ein anderes Mal, das hatte ich leider übersehen, leere Munition für ein AK-47. Das kam im Handgepäck nicht bei allen so gut an, aber ich habe die Beamten damit sehr unterhalten und den Laden ein bisschen in Schwung gebracht.

Aber jetzt wieder zu Panama. Wir reisen aktuell noch mit einer kleinen grünen Tasche, die wir als Gepäck aufgeben, da dort unsere Flüssigkeiten drin sind, also Duschgel, Repellent und viel Sonnenmilch. Die brauche ich in großen  Mengen, baue mir gerne eine weiße Line auf den Armen und versorge den ganzen Körper damit. Yeah, so ertrage ich die Sonne tiefenentspannt.
Beim Einchecken bei Copa Airlines, einer große Fluggesellschaft in Lateinamerika und Star Alliance Mitglied, checken wir die Tasche ein und deklarieren wie gewohnt unsere Rucksäcke als Handgepäck.  Bei  der Frage nach Flüssigkeiten hier bereits bei der Gepäckabgabe holen wir artig unsere 1L-Ziplolcks mit max. 100ml-Gefäßen hervor. Die sollen wir bitte mit aufgeben. Ich erkämpfe mir noch Augen- und Nasentropfen für die 7,5 Stunden Flug.

Du-du-du. Ich bin vier Jahre alt und habe nach dem Zähneputzen noch mit einem Bonbon in der Hand erwischt. Du-du-du macht der Zeigefinger vor meiner Nase, bewegt sich wie ein monotoner Scheibenwischer hin und her und zack ist mein Bonbon weg. Ich weine nicht wirklich, denn es ist 2017 und ich bin 28 Jahre alt (die Zahl ändert sich nicht in der Darstellung, aber das Zahlsystem, dieses Jahr ist es hexadezimal).  Die strenge Dame von der Sicherheitskontrolle hält mir auch kein Bonbon vor die Nase und wedelt ein energisches Du-du-du, sondern meine vermeintliche Killer-Pinzette. Danach wiederholt sich die Böses-Kind-Show mit meinen drei kleinen potentiellen Explosions-Sicherheitsnadeln.

Flughafen Placencia, Belize. Unser Pilot richtet sein Haar vor dem Abflug . Der aufmerksame Betrachter erkennt direkt hinter der kurzen Startbahn das Meer. Ist die Schwimmweste unter dem Sitz?

 

Die Grenze nach Belize haben wir dreimal mit dem Bus überquert, einmal von Mexiko sowie hin und zurück nach Guatemala. Belize verlangt eine Ausreisegebühr und bei der Wiedereinreise aus Guatemala mussten wir unsere Einreisedokumente um unsere Telefonnummer und Hoteladresse in Belize ergänzen, da wurden keine Lücken geduldet. Insgesamt waren die Grenzbeamten zu mir immer auffällig freundlicher als zu Sören und haben auch mal einen kleinen Plausch mit mir gehalten. In der Schlange wartend sehen wir, dass alle Gepäckstücke kontrolliert werden.

In Mexiko am Flughafen wurde per Zufalls-Buzzer entschieden, wer kontrolliert wird, auch die Piloten durften  mitspielen. Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht…

Seit Beginn unserer Reise haben wir eine 1L-Flasche Mezcal inklusive Wurm mit dabei, da diese als Präsent in unserem Start-Hotel auf dem Zimmer stand und wir sie bis jetzt nicht gebraucht haben, aber sie auch nicht stehen lassen wollten. Die Einfuhr von Alkohol und Lebensmitteln ist strengstens verboten  nach Belize, wir vergewissern uns vorsichtshalber noch mal bei der Begleitdame des Busses, die auch unsere Dokumente schon ergänzt hatte. Damit wir nicht neben der Abgabe anderweitig empfindlich bestraft werden, deklariert Sören die Flasche, als er an der Reihe ist. „Fruits?“ fragt der Zöllner zurück. „No, only the bottle with alcohol.“ „Just go.“ Soso, aber eine Banane wäre ein „Gehe direkt in das Gefängnis, gehe nicht über Los, ziehe keine 4000 Mark ein.“-Karte gewesen. Den Mezcal probieren wir wenig später in Placencia mit dem Briten Tristan und seiner spanischen Freundin, die in Mexiko-City als Lehrer tätig sind und verschenken den Rest an den Mann der dortigen Hausdame Reina, mit der wir viel gekocht haben. Meine Grenzerfahrungen sind schon ausreichend, da muss ich nicht auch noch eine Schmuggler-Karriere starten.

Oh, wie schön ist Panama

Eine Tigerente haben wir noch nicht in Panama City gesehen, aber der Tukan ist in Panama weit verbreitet. Zu Werbezwecken prangt er groß auf den Packungen von Fruit Loops, vielleicht sind die deswegen hier so beliebt. Erinnert ihr euch an die bunten Frühstückskringel von Kellogg’s, die bei uns in der Heimat eher in den Supermarktregalen stehen, statt in den Küchenregalen? Ich denke es sind die Zeugungsprodukte von M&M’s und Cornflakes, wenn sich die bunten Schokolinsen für ein Stell-Dich-Ein in die großen dunklen Packungen schleichen…

Silvester haben wir in Panama-City ähnlich verbracht wie in Norddeutschland. Mit netten Leuten, diesmal eine kolumbianische Familie , an den Deich bzw. an die Promenade gehen, gesäumt mit Palmen und Skyline, und mit vielen Menschen ein Feuerwerk bestaunen. Hier sind zudem die Himmelslaternen beliebt, die als kleine leuchtende Punkte langsam über dem Pazifik mit den vor dem Kanal wartenden Containerschiffen entschwinden.

Der Panama-Kanal ist sehr beeindruckend und wurde erst 1999 von den Amerikanern an Panama übergeben und das US-Militär komplett abgezogen. Der US-Dollar ist hier aber Zahlungsmittel, es sind nur panamaische Münzen zusätzlich im Umlauf. Unsere heute geplante Zugfahrt von Panama City am Pazifik entlang des Kanals nach Colon am Atlantik haben wir aber leider nicht antreten können, da Sören gerade krank ist. Wie schon in Togo bekam er nachts heftiges Fieber, das wir mit Fiebersenkern und Wadenwickeln auf 38°C bekommen haben.

Glitzernde Wolkenkrater, Banken und Casinos bestimmen die Innenstadt mit großen Malls, wo Hermes und Gucci locken und die Slums an den Stadträndern vergessen lassen.

Panama City hat eine nette Altstadt, die auch die UNESCO würdigt, mit schönen Piratengeschichten um Käpt’n Morgan, der 1671 hier mit 1800 Mann erfolgreich eingefallen ist. Heute fallen hier ab mittags Kreuzfahrer ein, die die Schiffe wie geharnischte Moloche ausgespien haben.

Zwischen den Jahren mit der Queen

Morgen verlassen wir Placencia in Belize und fliegen nach Panama. Eigentlich wollten wir nur drei Tage hier bleiben, aber zuerst fuhr die einmal wöchentliche Fähre nicht nach Honduras, weil der Zoll  in Honduras an diesem Grenzübergang schon weihnachtlich anders verplant ist. Somit sind wir länger geblieben, denn wir wollten ein bisschen baden und tauchen am größten Riff der nördlichen Hemisphäre.
Als nächstes haben wir einen Flug nach Lima, Peru gebucht.  Um 8:01 Uhr bekam ich beim Frühstück eine E-Mail von Flighttix, dass unsere Buchung storniert wurde. Nein, wie nett und informativ – 119 Minuten vor Abflug! Wir waren  quasi schon fast  im  Flieger. Sollte ich mich noch  zu einer online Bewertung hinreißen lassen?
Anschließend hat mich eine Erkältung in der Hitze gequält. Sören war schwimmen und schwimmen und schwimmen und ich lag im Bett. Er hat es bis hinter das schicke Resort geschafft, wo den Gästen beim Dinieren auf dem Steg gerade die silbernen Hauben vom Essen gehoben wurden. Was man so alles Privates beim Bahnenziehen erleben kann.

Wenn  es nun nach Plan läuft, dann schreibe ich euch das nächste Mal aus Panama-City. Da wird auch teilweise Englisch gesprochen. Wir sind von Belize da sehr verwöhnt, denn Englisch ist hier die Amtssprache. In diesem Jahr wird hier die 35-jährige Unabhängigkeit von Großbritannien gefeiert. Dennoch ist die Queen allgegenwärtig. Auf jedem Belize-Dollar (2:1 direkt an den US-Dollar gekoppelt) lächelt einen vornehm zurückhaltend eine junge Queen Elizabeth an.  Aber wer etwas macht, der darf sich auch darauf verewigen. Das Geld aus Belize wird in England produziert.

Einige wohlhabende Amerikaner haben hier auf der schmalen Halbinsel von Placencia Haus oder Mansion gebaut und kurven durch den kleinen Ort mit Golfcars, da man so auch schön durch die Resorts fahren kann, wie mir von einer jungen Fahrerin berichtet wurde, als ich sie fragte, wie teuer eine Tagesmiete für ein Golfcar sei. Diese Frage konnte sie mir nicht beantworten und trotzdem war ich nach unserem Gespräch besser informiert.

Hier sind die bunten Holzhäuser viel auf Stelzen gebaut, da es hier wirklich schmal ist: Lagune, Häuser, Häuser, Straße, Häuser, der Fußweg, Häuser, Strand, karibisches Meer. Wirklich schön ist, das es keine privaten Stände gibt am Wasser kann jeder überall lang, denn – ihr ahnt es schon, hier kommt wieder die Queen ins Spiel. Die ersten 60 Feet vom Strand gehören ihr und können von jedem genutzt werden.

It belongs to the Queen.

Sagenhaft was dieser Dame alles gehören muss. Überall auf der Welt trifft man auf solche Überraschungen, wie Wälder in Kanada, in denen jeder frei campen kann. Die Queen zeigt sich also großzügig mit ihren Besitztümern, aber bei ihren Schwänen in London wäre ich vorsichtig, die lasst mal lieber in Ruhe.

Großbritannien und Nordirland, der Commonwealth, … Bei dieser globalen Verbreitung wird die Queen bestimmt zwischen den Jahren die Ergebnisse einer Inventur erhalten, damit sie weiß, was aktuell ist alles ihr gehört oder repräsentiert wird. Früher passierte das bestimmt mit einem Vorleser, der eine Endlosrolle verlas und weiterrollte. Heute ist im Buckingham Palace das wohl auch moderner. Eine filmmäßige Multimediashow, die versucht über viele Stunden zu unterhalten  … Ländereien…. Gebäude … 60 Feet der Strände von …  Briefmarkensammlung für 67 Mio.£  … Irgendwann wird auch die niemals aus dem Rahmen fallende Queen in diesem häuslichen Umfeld ermüden, wenn die Scones gegessen sind und die restlichen Gurkensandwiches antrocknen, sie tiefer in den majestätischen Sessel gesunken ist und einer ihrer geliebten Corgis als Fußbank herhalten muss.

Wo ist der Pastor?

Wir wünschen euch allen eine Frohe Weihnacht. Hier in Belize sind die Häuser auch teilweise weihnachtlich dekoriert, bekannte Weihnachtssong haben ein Reggae-Fresh-up erhalten und ebenso sind hier Feiertage.
Das letzte Mal war ich Ostern in der Kirche. In Togo war die katholische Kirche überfüllt, die Menge drängte sich noch zudem an den Seiteneingängen und sang und tanzte wie bei einer super Party. Jetzt in Belize ist es ein evangelischer Gottesdienst zudem uns unsere Hausdame Reina mit Familie mitgenommen hat. Statt auf Französisch und Bassari ist es nun auf Spanisch. Und kommt es nur mir Spanisch vor, dass Gemeindemitglieder durch den gesamten Gottesdienst führen? Wo ist der Pastor?

Wie jetzt, der hat Urlaub? Ja, Weihnachten ist in vielen Ländern Holiday-Time, aber Feuerwehr, Polizei und andere arbeiten dann trotzdem für das Gemeinwohl. Und haben christliche Geistliche nicht doch an den wichtigsten Tagen wie Ostern und Weihnachten eine Art Urlaubsverbot? Ich meine, dass ist ihre Art von Hochsaison. Vielleicht hat der Pastor hier einfach genug von Sonne, Sand und saftiger Ananas. Der ist jetzt bestimmt ab nach Ischgl und düst dort genüsslich die Skipisten runter. Sammelt neue Ideen für Predigen. Vielleicht sogar eine Dienstreise, im Namen des Herren. Halleluja.

Wir bekommen aber eine wunderbare Betreuung während dieses musikalischen Gottesdienstes mit viel Gesang, Keyboard und Schlagzeug. Wieso haben die alle ihr Etui mit? Also diese klassischen eckigen Dinger aus der Grundschule mit bunten Reißverschlüssen. Aber es werden doch keine fein nebeneinander eingesteckte Buntstifte und ein Pelikan-Füller entblößt ( nein, auch kein Geha-Füller), sondern Bibeln. Wir bekommen ein englisches Exemplar ausgehändigt und erhalten teilweise Übersetzungen mitgeteilt. Wir dürfen auch vor die Gemeinde treten und unseren Beitrag leisten, indem wir uns bedanken und ein Vater-Unser aufsagen. Vielleicht hätten wir es mit Schlagzeug und gesungen peppiger gestalten können.

Trotz unseres trockenen Gebets hat uns Reina zum Weihnachtsessen mit Hühnchen eingeladen und wir haben ihr gezeigt, wie man deutschen Apfelkuchen backt. Hier kommen die Gala-Äpfel aus Mexiko.

Tikal

Tikal – Der Weg ist das Ziel

Extra für diese große alte Maya-Stadt haben wir uns nach Guatemala begeben. Und damit wir das auch in voller Pracht genießen können, haben wir die spezielle Sonnenaufgangstour ausgesucht. Das heißt es ist noch nicht heiß, man ist vor der offiziellen Öffnungszeit in diesem Weltkulturerbe, es sind nur sehr wenige Personen unterwegs, der Regenwald erwacht mit dem Gebrüll von Affen und man sitzt zum Sonnenaufgang schon oben auf einer Stufenpyramide.

Dafür ist die Nacht kurz, sehr kurz, denn um 3 Uhr sitzt man bereits im Bus nach Tikal. So die Theorie. Als wir um 3:15 Uhr immer noch vor dem Hotel in Flores stehen und der Nieselregen beginnt, machen wir uns sorgen, dass wir vergessen wurden. *Ping* – kleine Glühbirne über dem Kopf geht an: Auf den Teilnahmeschein geschaut, Telefonnummer entdeckt und mit Telefon aus Deutschland mit mexikanischer SIM-Karte nicht direkt lösbar, aber vor dem Hotel noch im WiFi-Bereich, also die internationale Vorwahl von Guatemala im Internet gesucht (+502, falls ihr die gerade braucht) und per Skype beim Anbieter anrufen. Also nachts um 3:15 Uhr.

„Es klingelt.“ sagt Sören.
„Ring ring ring“.
Den klassischen Klingelton höre auch ich gut – denn das Reisebüro ist direkt gegenüber in der kleinen Gasse – in der Stille der Nacht.

Es passiert was, dann wird die Leitung unterbrochen. War es eine Person oder ein Anrufbeantworter? Gleich nochmal. „Ring ring ring“ hallt es durch die Gasse.

Der Mann am anderen Ende der Leitung spricht nur Spanisch, ist von meinen Deutsch-, Englisch- und Französisch-Kenntnissen wenig beeindruckt. Vielleicht sollte ich mein bisschen Japanisch hervorholen?

Moment mal, ehrlich, wenn mich jemand Montagmorgens um 3:15 Uhr telefonisch weckt, meine Sprache nicht spricht und mich mit miesem Akzent in irgendwelchen Sprachen nach fehlenden Bussen fragt, dann würde ich nicht so gelassen bleiben wie dieser Señor.

Sören ist mittlerweile auf die andere Straßenseite gewechselt und nach dem Telefonat geht die Tür einen Spalt auf und Sören bekommt Informationen von dem Angerufenen. Sören entschuldigt sich danach höflich und wir sind einem echten Reiseanfängerfehler aufgesessen.
Der gestrige Wechsel von Mexiko nach Belize und von dort nach Guatemala mit Bussen war anstrengend mit Wartezeiten an Grenzen, Gebühren in mehreren Währungen und Ein- sowie Ausreiseformularen. Wir haben so schlicht nicht mitbekommen, dass Guatemala eine Stunde hinter der Yucatan-Halbinsel in Mexiko ist.

Wir sind also eine Stunde zu früh. Es ist erst 2:15 Uhr! Pünktlich um 3:00 Uhr sitzen wir dann im Bus nach Tikal.


Tikal – Sind wir nicht alle ein bisschen Sheldon?

Ich mag diese Serie nicht, die anscheinend in Dauerschleife im Fernsehen läuft, die mit den Physikern in einer WG. Sören, wie heißt die? Ah ja, ich wäre denen zu ähnlich, deswegen kann ich das nach Sörens Meinung nicht witzig finden.
Nun hat bei mir die Panik-Else die Kontrolle übernommen, denn es ist Ende der Regenzeit in Guatemala, die Mücken zahlreich und vielfältig die möglichen Krankheiten: Zika, Dengue-Fieber, Chikungunya-Fieber und Malaria sind hier nun hoch im Kurs. Und wir wollen nachts durch den Regenwald laufen? Also 1A-Tropenkleidung anziehen: lange Hose, langärmlige Bluse bzw. Hemd und feste Schuhe. (Wieso werden die nur in den Farben Khaki und Schlamm angeboten?) und natürlich dick passendes Repellent aufsprühen. Aber bitte kein Autan family, dass läutet bei den tropischen Mücken erst die Happy hour ein. Es soll was Aggressives mit 50% DEET sein. Es brennt auf der Haut, man kann kein Essen anfassen, nach einigen Tagen zeigen sich die ersten Pusteln und man riecht wie abgelaufener Nagellackentferner. Ach ja, Nagellack wird davon schön klebrig zersetzt.

So stehen wir nun da in unserer kleinen Reisegruppe. Fast alle haben kurze Hosen an. Eine junge Frau steht in Tank-Top, Sandalen und Hotpants da. Ich fühle mich Sheldon.

 

Tikal – Im Dunkeln ist gut munkeln

Wer nachts durch den Guatemaltekischen Regenwald irrt, der findet auch dort neue Freunde. Eine Tarantel läuft über meinen Arm über den nackten Hals auf meinen Kopf. Ich schreie den ganzen Dschungel zusammen und mache den Brüllaffen ernsthafte Konkurrenz.

Start der Weltreise

Wahrscheinlich enttäuschen wir einige Erwartungen gemäß unseres Starts. Wir befinden uns nicht in 2500m Höhe in einem kleinen Peruanischen Ort, um uns für einen Aufstieg nach Machu Picchu zu akklimatisieren und stricken derweil wärmende Pullis aus Lama-Wolle. Das ist auch für später nicht vorgesehen. Wir haben uns tatsächlich für einen schnöden Pauschal-Start an der Playa del Carmen in Mexiko entschieden. Einfach ankommen, klimatisieren und begreifen,  dass es nun losgeht. Die Arbeit setzt für 13 Monate aus, der tägliche Ablauf ist nicht mehr da, alles ist verändert. Es gibt keine Wohnung mehr und auch kein Bett – wir sind obdachlos.

Dank der großen Hilfe von Familie und Freunden sind die meisten unserer Sachen bei ihnen eingelagert oder werden fleißig wie die KitchenAid  in der Zeit als Leihgabe genutzt. Die Wohnung wurde mit Helfern immer weiter leer geräumt und vor der Übergabe gestrichen. Wir wurden umsorgt, bekocht und betüdelt. Sogar Feiertage wie Silvester wurden mit uns bei Raclette und Feuerwerk schon vorgefeiert. Wir danken euch sehr für die Unterstützung.
Wenn ihr jetzt die heimelige Wärme zu Hause genießt, dann denkt daran, dass es meine Comic-Sammlung ist, die da für euch brennt und Fernwärme erzeugt. Erwin aus Essen hat sich leider zu spät  über Ebay Kleinanzeigen gemeldet, dass er sie gerne hätte. Aber wenn es mit Sören nicht mehr klappt, weil er z. B. Lamas in den Anden züchten möchte, dann kann ich mit Erwin in Essen eine neue Comicsammlung aufbauen. Er ist noch Single, wie er mit schrieb.

Latin-Feeling

Stopp, nicht die enge Bluse in den Altkleidersack stopfen!

Ein, nein besser gleich zwei Größen, die uns zu klein erscheinen,  wirken hier gerade recht. Wir haben uns in einem großen Telcel-Shop eine mexikanische SIM-Karte besorgt. Der Laden erinnerte mehr an eine Bank als an die Telekom, mit extra Schaltern zum Bezahlen. Die Damen hatten ausnahmslos Blusen an, die bei uns als viel zu eng bezeichnet werden würden. Aber, und das ist das Tolle, jede Brust wirkt dadurch prall und aufregend. Wann fliegt einem der erste Knopf entgegen? Oder sind die Knöpfe extra verstärkt? Also die Damen, vielleicht holt ihr die engen Blusen wieder hervor und schafft ein bisschen Latin-Feeling auf Arbeit, im Wartezimmer oder sonst wo.

Viva la Mexico!

Irgendwann galt für Legehennen der Platzbedarf von einem DIN-A4-Blatt. 12 Stunden Flug reichen für so ein Gefühl aus. Die Legehenne neben mir, aka Adam, kommt aus Mönchengladbach. Zur Entspannung können wir leider keine Eier legen. Adam legt auch sonst keine Eier, sondern zerlegt BMWs und verkauft die Einzelteile.
Ich dachte zur Entspannung alternativ zum Eierlegen an Tequila – in Deutschland verweigert sich mein Umfeld diesem leckeren Agavensaft – in Mexiko erwarte ich ein Überangebot, die Qual der Wahl und viele Fans.

Und bam – nix Tequila – ich trink‘ Kamillentee. Mensch, dafür find ich nun wirklich nirgends auf der Welt einen Fanclub.

Sören genießt schon das Meer und lernt überzeugte Trump-Wähler kennen, die die Mauer mitbezahlen wollen und hier sind um Bier zu trinken und den Frauen am Strand auf die Brüste zu starren. Soweit – so ehrlich, aber irgendwie fühle ich darin einen Widerspruch.

Ha, da setzt der Kamillentee-Rausch schon ein.

Ferien – und die Schule ist voll

Es ist Karsamstag und trotzdem sind alle Schüler, Lehrer sowie viele weitere Menschen da. Die   Begrüßung ist umwerfend.
Vor eineinhalb Jahren hat der Verein Fi Basar hier mit dem Bau eines Brunnen begonnen und nun versorgt er die Schule mit Trinkwasser. Deswegen wird die Delegation aus Deutschland von allen freudig empfangen, auch der Präfekt der Region ist da. Diesmal werden Malsachen an den Kindergarten, Stifte, Hefte und andere Materialien nach Willkommensreden in den Klassen an die Schüler verteilt. So erhalten direkt die Kinder etwas, aber vor Ort merkt man, was alles soweit weg von dem ist,  was bei uns selbstverständlich ist.

Im Kindergarten

Im Kindergarten wird auch schon Disziplin geübt

Der Brunnen, den Fi Basar ermöglicht hat

Der Brunnen, den Fi Bassar ermöglicht hat

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Schulhefte können begeistern